Bibelerzählerin                                                                                                             Bibliologleiterin                                                                                                           Lyrikerin                                                                                                                 Das WORT Gottes ist lebendig und kräftig Hebr  4,12                      

Ich veröffentliche hier einige eigene Gedichte. 

Nun schreibe ich ja, um meine Gedanken, 

mit anderen Menschen zu teilen. 

Aber ich denke, 

es ist fair wenn Sie meine Texte verwenden wollen, 

dies nur unter meinem Namen zu tun. 


Segensgebet


Deinen Segen Herr erbitten wir,

dass Du uns nicht alleine lässt.

Auf unsren Wegen bei uns bist

und uns mit unsren Fragen nicht vergisst.

 

Deinen Segen Herr erbitten wir,

dass du auch unsre Zweifel trägst.

Zum Trost in unsrer Trauer wirst

und Halt , wenn aller Halt zerbirst.

 

Deinen Segen Herr erbitten wir,

auch für die, die uns sind Feind.

Auch für die ,mit denen wir

zu Versöhnung sind nur schwer bereit.


Deinen Segen Herr

für diese Welt

in die du uns hineingestellt.

Für Alt  und Jung, für Groß, für Klein

Besonders die du lässt im Verborgnen sein. 

Deinen Segen Herr erbitten wir. Amen.

copyright Christel Fassian-Müller 2019

Verleugnung


du hattest Angst

wie gut verstehe ich dich, Petrus

in diesem Sumpf von Intrigen und Machtbesessenheit

da kann ich deine Angst verstehen

wem hättest du trauen können?

und du warst so allein

unendlich allein

ich verstehe dich, Petrus.

ich verstehe, dass du in deiner Angst

diesen Satz gesagt hast

„Nein, ich kenne diesen Menschen nicht.“

„Ich kenne diesen Menschen nicht.“

was hättest du denn sonst sagen sollen?

in all deiner Angst

in all deiner Einsamkeit

ausgeliefert den Fratzen der Menschen,

die dich erkannten

ausgeliefert den Intrigen dieser Gesellschaft,

die so zerfressen ist

von Macht, von Neid, vom falschen Recht.

ich verstehe dich, Petrus.

Und dann krähte der Hahn.    

copyright Christel Fassian-Müller 2019


Passionsgedicht

Ihr alle,
die ihr unter seinem Kreuz standet
als er unter Schmerzen gelitten hat
als er geschrien hat „Es ist vollbracht“

Ihr alle,
die ihr mit ihm den letzten Weg gegangen seid
als er unter der Last gefallen ist
als er vor aller Augen verspottet wurde

Ihr alle…
habt sein Leiden gesehen
habt seine Worte gehört
habt seinen Schmerz ertragen

Und in all seiner Verzweiflung
habt ihr alle
sein Vertrauen gespürt

Ihr alle könnt bezeugen
„Wahrlich, er war Gottes Sohn“

copyright Christel Fassian-Müller 2019


 Soldaten  


Gesichtslose Gestalten 

Kopflose Wesen 

Profillos 

Rückgrat gebrochen 


Menschen, die ihr Selbst verloren haben 

Menschen, die ihr Sein aufgegeben haben 

Menschen, die keine Menschen mehr sind  


Zu Maschinen gemacht 

Funktionierend 

Befehle ausführend  


Hinterfragen nicht erlaubt 

Widersprechen verboten 

Haben ja auch keine Münder 

Gefühle haben keinen Platz 


Dienst fürs Vaterland 

Oh Vaterland 

Was hast du unsren Vätern angetan ?                 

copyright Christel Fassian-Müller 2015 

Foto: Element aus Kunstinstallation von Walter Buhr Bad Breisig

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Viel zu geschwind 

Maria und Josef und´s Jesuskind

sind wieder weg, 

es ging so geschwind. 

 

Kamen kurz zu Besuch in unser Haus 

und schauten ganz schön traurig aus. 

Sie blickten sich um und suchten nach Raum.

Den fanden sie bei uns wohl kaum. 


Es war alles besetzt mit Lichterglanz, 

mit Kugeln, Lametta und Firlefanz. 

So konnten sie bei uns nicht verweilen 

und mussten weiter zum Nächsten eilen. 


Ich weiß nicht, wo sie geblieben sind. 

Fanden sie einen Platz für das Kind? 


Maria und Josef und ´s  Jesuskind 

sind wieder weg. 

Es ging viel zu geschwind.                           

copyright Christel Fassian-Müller 2018 

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 Es weihnachtet sehr 

und in allen Gassen 

stoßen sie an mit ihren Glühweintassen. 

Sie lachen und toben und frönen dem Mammon  

…da blickt was um die Ecke 

…und läuft wieder davon. 

 

Es weihnachtet sehr 

und Vater und Mutter und Kind 

streiten sich wieder - wer da wohl gewinnt? 

Sie diskutieren über Handys und Spielkonsolen 

…da blickt was um die Ecke  

…und verschwindet auf leisen Sohlen. 


Es weihnachtet sehr 

und Alt und Jung und Mann und Frau 

durchforsten Kalender und tun sehr schlau. 

Sie hetzen der Zeit hinterher und stöhnen  

…da blickt was um die Ecke  

…an diese Hektik will es sich nicht gewöhnen.  


Es weihnachtet sehr 

und in so manchen Rüstungsgebäuden 

planen sie Kriege und verteilen heimlich die Beute. 

Sie handeln mit Waffen rund um den atomaren Knopf  

…da blickt was um die Ecke  

…und schüttelt enttäuscht den Kopf. 


Es weihnachtet sehr 

und dort in einem anderen Land 

liegen weinende Kinder, Hand in Hand. 

Sie haben kein Dach, kein Wasser, kein Brot. 

Weißt du, dort leiden sie wirklich Not. 

Haben Hunger und Angst. frieren und weinen. 

…da blickt was um die Ecke 

…ich glaube, es will dort verweilen. 

Es ist, ja du ahnst es wohl schon, 

das Kind in der Krippe - Gottes Sohn.          

copyright Christel Fassian-Müller 2017

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Worte eines Fremden 

Euer Land riecht fremd 

Euer Land schmeckt fremd 

Euer Land hört mit fremden Ohren 

Euer Land sieht mit fremden Augen  


Euer Land ist groß 

Euer Land ist kalt 

Euer Land ist laut 

Euer Land hat keine Zeit  


Euer Land hat viele Gesichter 

Euer Land lächelt 

Euer Land zeigt Angst 

Euer Land scheint mir so wütend 

Euer Land sieht oft so traurig aus, 

als würde es noch immer leiden 

unter längst vergangnen Zeiten.  


Euer Land kann ich nicht verstehen 

fühle mich wie taub und stumm 

angesichts der vielen Worte, 

die an mir vorüberziehn.  


Euer Land will von mir 

Formulare, Schriften, Worte, 

die mich katalogisieren 

und zu einer Nummer machen. 


Nun bin ich ein Stück von eurem Land, 

bin da, gestrandet gleichsam, 

auf dem Weg der Flucht. 


Nun bring ich Farbe in eurer Land 

mit meiner dunklen Haut 

mit meinen bunten Tüchern 

mit mir.  


Lasst mich ein Teil werden, 

ein Teil eures Lächelns, 

eine Träne eurer Traurigkeit. 


Erklärt mir eure Wut 

und teilt mit mir die Angst.  


Und gebt mir Zeit, 

um eure Worte zu verstehen, 

um eure Feste zu feiern, 

um euer Land zu meinem Land werden zu lassen. 


Und wenn ihr wollt: 
Zeige ich euch 

das Lächeln meines Landes, 

die Traurigkeit meiner Leute, 

die Ängste unserer Kinder 

und 

teile meine Worte mit euch.  

copyright Christel Fassian-Müller 2013             


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Ungehalten 

 

Ich würde dich gern auffangen

doch falle ich selbst

     

falle und falle

und finde kein Halten

 

ins Bodenlose

 

Wie soll ich dir da Halt sein ?

 

Versuche zu greifen

was Stand gibt

entreißt sich mir wieder

 

Ein Loch tut sich auf

tief und tiefer

dunkel und dunkler

 

vielleicht begegnen wir uns dort

in unsrer Dunkelheit

in unsrer Bodenlosigkeit

in unsrer Zerissenheit

in unsrer Standlosigkeit

 

Ich bin schon mal da

 

© Christel Fassian-Müller 2018

 

 


 

 


 


 


 






Sprachlos  


Manchmal fehlen mit die Worte. 

Nach Atem ring ich dann. 

Entsetzt über jene Orte, 

in denen Frieden nicht einziehen kann. 


Manchmal verstumme ich vor Scham 

und traue meinen Ohren nicht. 

Was aus manchem Munde kam, 

heute wie damals, es ist längst nicht Geschicht.  


Manchmal kann ich nichts mehr sagen. 

Wer so all das Sagen hat ! 

Kopfschüttelnd bleiben da nur Fragen, 

und manchen Populisten hab ich satt.  


Oftmals möchte ich laut schreien: 

„Leute macht die Ohren auf !“ 

Wie soll Gerechtigkeit gedeihen, 

wenn Parolen nehmen ihren Lauf ?  


Oftmals möcht ich flüstern nur: 

„Lasst uns wachsam hören, 

Der Frieden könnte legen eine Spur, 

wenn wir die tauben Schläfer stören.“                         

copyright Christel Fassian-Müller 2017

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--------------------------------------------------------------------Mein Weihnachtsgedicht  

  Dies ist mein Weihnachtsgedicht 

  doch um Lametta geht es diesmal nicht. 

  Es geht auch nicht um Festtagsbraten 

  und auch nicht um Geschenkeraten.  


  Ein Baum ist darin auch nicht Thema 

  und auch nicht das Familienschema. 

  Es geht heut nicht um heißen Wein 

  und auch nicht um der Lichter Schein. 

  

   Ich sprech heut nicht über Urlaubstage, 

  stell auch nicht das Wetter in Frage. 

  Das Fest ist ja eh schnell vorbei, 

  alles Genannte ist somit einerlei.  


  Dies ist mein Weihnachtsgedicht 

  und es geht heut mal um eine andre Sicht. 

  Es geht um Menschen, die auch heute frieren, 

  es geht um die, die sich ob ihres Lebens genieren.  


  Um die, denen es dreckig geht, 

  zu denen trotz des Festes keiner steht. 

  Über die, die jeder beäugt könnt ich reden, 

  und nebenbei klären, wen mein ich mit „jeden“?  


  Um so beschimpfte Gutmenschen könnte es gehen, 

  und um die Schlechtmenschen, die alles verstehen. 

  Ich könnt alle nennen, die anders sind, 

  und alle, die das ersehnte Glück nicht find.  


  Ich könnte euch sprechen über ein Land,  

  das wir nennen heilig, 

  in dem sich die Bewohner werden nicht einig. 

  Ich könnt reden über die Mächtigen der Welt,  

  die letztlich doch wir haben bestellt. 


  Ich könnt… 

  Ich könnt auch still blicken in die Krippe… 


  Still, still schauen, was ich dort erblicke. 

  Ich könnt einfach reden über das Kind, 

  und jene, die dort bei ihm sind. 


  Dann hätte ich doch alles gesagt, 

  wonach ein Menschenherz fragt. 


  Dies ist heut mein kürzestes Weihnachtsgedicht: 

  „Schaut dort im Stall liegt Gottes wahres Gesicht.“ 

copyright Christel Fassian-Müller 2017

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Flüchtige Heimat 

Heimat haben 

Dach über´m Kopf 

Bett und Tisch und Stuhl 

Menschen an meiner Seite 

sprechen die gleiche Sprache 

teilen die gleichen Bilder  


Zuhause sein 

wo ich - sein will 

wo ich - Ich bin 

dauernd sein  


Fremd sein 

auf der Flucht sein 

ohne Bett und Stuhl und Tisch 

fremde Menschen 

fremde Sprache 

fremde Bilder 


Zuhause missen 

Heimat suchen 

sein wollen 


flüchtig kennenlernen 

flüchtig Hilfe erfahren 

flüchtig willkommen sein                                   

copyright Christel Fassian-Müller 2013

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Frieden 

Du erreichst uns nicht 

ist die Sehnsucht auch noch so groß 

Du  kündigst dich an,  

doch verschwindest wieder  

in den Rauchschwaden brennender Häuser 


Du hörst das Flehen der Vielen 

doch bahnst dir nicht deinen Weg  

durch den Hass 


Frieden   

es dürstet uns nach dir 

doch niemals wird unser Verlangen gestillt                              

solange Gewalt und Tyrannei                                  

den Ton angeben     


Es bleibt das Lied der Sehnsucht 

Es bleibt die Melodie,  

die tief in jedem Herz entspringt,

in jedem Herzen,  

das Gott einst füllte mit dir. 


Frieden!   

© Christel Fassian-Müller 2013 

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Germanwings-Flug 9525 

Erschütterte Gesellschaft

denn plötzlich ganz nah

eine Katastrophe,

die uns alle anspricht

 

Einer unter uns hat versagt

im Getriebe des Tuns

im permanenten Starten und Landen

und dennoch nie Verweilen

 

So viele

erreichen ihre Grenzen

im grenzenlosen Alltag

der Überforderung

 

Erschüttertes Land

plötzlich ganz nah

die Katastrophe

die alltäglich um sich greift

 

Im Getriebe des Tuns

so viele im Alltag

ereichen ihre Grenzen

und keiner verweilt

 

Die Katastrophe

ist unsere Gesellschaft

grenzenlos überfordert

 

Wer verweilt ?

an der Grenze

zur Katastrophe

im Alltag

dann wenn Einer von uns zu versagen droht         

copyright Christel Fassian-Müller 2015

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